
Markenentwickler & Gastronom.



Mit 16 Jahren begann alles – in der DDR, mit Kassetten, aufgenommen von West-Radiosendern oder über Verwandte eingeschmuggelt. Was nach Improvisation klingt, war der Beginn einer klaren Positionierung: ein eigenständiger Sound, geprägt von Münchens 80er-Clubkultur, Italo-Disco, Depeche Mode, The Cure bis hin zu frühen RnB-Einflüssen. Nicht Mainstream, entgegen staatlicher Vorgaben, subversiv und unangepasst – bei vielen Gästen beliebt, weil eigenständig und authentisch.


Schon Ende der 80er betrieben die Brüder Thunert ein Jugendclubhaus faktisch wie eine private Discothek – Freitag bis Sonntag. Strenge Türpolitik, bewusst gesteuerte Gästestruktur, Palmen, Sitzloungen, Bar mit Cocktails, Whiskeys und Gin Tonic. Für DDR-Verhältnisse spektakuläre Licht- und Soundtechnik. Das war kein Hobby mehr – das waren erste privatwirtschaftliche Steps. Ein Testlauf für die spätere Erlebnisgastronomie.






Am 18. Mai 1991 eröffneten die Brüder Thunert das Glashaus Worbis – eine Großraumdiscothek, die Maßstäbe setzte. Das einzige Haus, das bis heute durchgängig von den ursprünglichen Gründern erfolgreich betrieben wird. Seit 2018 als Eventcenter weiterentwickelt. Ein seltener Fall in Ostdeutschland: ein Club, der die Nachwendezeit nicht nur überlebt, sondern strukturell transformiert hat.









Mitten in Göttingen, in der ehemaligen Landeszentralbank: 900 m² Stadtclubkultur. Das Savoy wurde schnell zu einer festen Größe der niedersächsischen Nachtökonomie – wirtschaftlich stabil, konzeptionell wandelbar. 2017 wurde das Team um Markus Thunert, Steffen Thunert und Nic Becker mit dem Discotheken-Unternehmerpreis ausgezeichnet. Seit 2020 wird der Club gemeinsam mit den Söhnen Alexander und Giulian geführt. Hier geht es nicht um Generationswechsel. Hier geht es um Generationsintegration.

Neben dem unternehmerischen Alltag engagiert sich Markus Thunert im Verein Hilfe für Eritrea – gemeinsam mit Eremias Tewolde, gebürtiger Eritreer und langjähriger Security-Chef im Savoy Göttingen, heute wohnhaft in Frankfurt. Was als persönliche Verbindung begann, ist zu konkreter humanitärer Arbeit geworden: Unterstützung für Menschen in einem der am schwersten zugänglichen Länder der Welt.


Aus der Praxis entstand ein neues Projekt: ein Inkubator für Spirituosen, entwickelt aus realen Gastronomie-Daten, getestet im Livebetrieb, optimiert am Gast. Keine Produktentwicklung am Reißbrett – sondern direkt am Point of Sale. Ergebnis: Hemingway, Low-Alkohol-Lifestyle-Spirituose und seit Jahren Top-10-Artikel im Savoy. Was im Club funktioniert, wird auf den Handel skaliert. Nicht umgekehrt.

Szeneverständnis schlägt Trendhopping. Produktinnovation entsteht aus Nachfrage am Tresen. Familienunternehmen können skalieren, wenn die Kompetenzen vorhanden sind und die Familie die Leidenschaft für die Gastronomie lebt. Wer Gastronomie nur als Location denkt, denkt zu klein.
























